Heidebauern in Altklotzsche und Lausa

Die-Heidebauern-MeschwitzruheHeinrich Meschwitz, Sohn von F.W. Meschwitz, schrieb in seinem Buch „Mein Vaterhaus“ über Altklotzsche und seinen Pfarrer die folgenden Episoden.

Ein großer Teil der Klotzscher und Lausaer Einwohner bestand aus Arbeitern, die im Revier meines Vaters beschäftigt wurden.

Als dieser nach Dresden kam, lebten die Leute in ärmlichen Verhältnissen.Ihr Tagesverdienst floß meist in die Branntweinschenke und ließ für Weib und Kind wenig übrig. Wenn die Leute zur Arbeit in den Wald gingen, nahmen sie den Kartoffelschnaps in Krügen mit sich und tranken ihn wie Wasser. Es machte meinem Vater viel Mühe, dieser Unsitte zu steuern, – aber er erreichte es schließlich doch und erntete Dank mancher armen Familie dafür.  Der damalige Pfarrer** von Klotzsche suchte die Trunksucht der Bauern auch seinerseits zu bekämpfen. Bei einer Predigt rief er pathetisch: „O ihr Klotzscher, – o ihr Klotzscher: Der Weg zu eurer Kirche ist mit Gras bewachsen, aber der Weg zur Schenke – der ist breit und eben.“ Auch er war, wie der alte Pfarrer in Bockau, ein rechter Bauernprediger. Deshalb machten seine Worte auch immer einen gewissen Eindruck, wenn seine Ermahnungen auch nicht lange vorhielten. Einstmals hatte er eine donnernde Predigt gegen den Geiz gehalten und an das Wort erinnert: „Wer gibt, der wird zwiefach wieder empfangen.“ Am folgenden Tag kam eine alte Bäuerin zu meiner Mutter und erzählte voll Rührung von der ergreifenden Predigt. Dann fügte sie mit tränenden Augen hinzu: „Und was er sagt, damit hat er allemal recht, der Herr Pfarrer! Ich komme aus der Kirche und lege einen Fünfer in die Sammelbüchse – und wie ich dabei niederblicke – da liegt wahrhaftig schon ein blankes Groschenstück auf der Erde! So rasch hat der Herrgott meine gute Tat gesehen und belohnt.“Daß der Groschen gleichfalls für die Sammelbüchse von einem frommen Geber bestimmt, aber auf die Erde gefallen war, das kam der alten Bäuerin nicht in den Sinn.“ – Dem verdienstvollen, aus Bockau im Erzgebirge stammenden Revierverwalter der Dresdner Heide, F.W. Meschwitz, ist mit dem „Steinernen Tisch“, auch als „Meschwitz Ruh“ bekannt, im Prießnitzgrund bei Klotzsche ein Denkmal gesetzt worden.

*Lausa war damals ein selbständiger Ort, ist heute Ortssteil von Weixdorf.
**Der damalige Pfarrer war Heinrich Rudolf Jenichen.

Siegfried Bannack

| Foto: Kolossos |

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